Der Ankertext ist der sichtbare, klickbare Text eines Links. Er verrät Lesern und Suchmaschinen, was sie hinter dem Link erwartet, und gehört deshalb zu den unterschätzten Stellschrauben im SEO. In diesem Artikel erfährst du, welche Arten von Ankertexten es gibt, was Google empfiehlt und wie du Überoptimierung vermeidest.
Was ist ein Ankertext?
Ein Ankertext, im Englischen Anchor Text, ist der Text zwischen dem öffnenden und dem schließenden Link-Element im HTML. Im Quelltext sieht das so aus: <a href="https://example.com/rezepte">vegetarische Rezepte</a>. Auf der Seite erscheint nur „vegetarische Rezepte“, meist unterstrichen oder farbig hervorgehoben. Andere Bezeichnungen sind Linktext oder Verweistext.
Ankertexte kommen in zwei Situationen vor. Bei internen Links verweist du von einer Seite deiner Website auf eine andere. Bei externen Links verweist eine fremde Website auf dich oder du auf eine fremde Website. In beiden Fällen erfüllt der Text dieselbe Aufgabe: Er beschreibt das Ziel.
Wie Backlinks grundsätzlich funktionieren und warum sie für Rankings zählen, erklärt unser Artikel Backlinks: Was sie sind und warum sie wirken. Hier geht es um den Text, der den Link trägt.
Warum der Ankertext wichtig ist
Für Leser ist der Ankertext ein Versprechen. Wer auf „Preise für Hausratversicherungen vergleichen“ klickt, erwartet genau das und keine allgemeine Startseite. Ein präziser Linktext verbessert also die Nutzerführung und das Vertrauen in deine Seite. Für Menschen, die mit Screenreadern arbeiten, ist er besonders wichtig, weil sie sich oft von Link zu Link bewegen.
Für Google ist der Ankertext ein Hinweis auf das Thema der Zielseite. In seiner Dokumentation Links crawlbar machen (Google Search Central, aktualisiert Dezember 2025) schreibt Google, dass guter Ankertext Nutzern und Google hilft, die verlinkte Seite einzuordnen. Ein Link mit dem Text „hier“ liefert dagegen kaum Information.
Die Idee ist so alt wie Google selbst. Schon Sergey Brin und Larry Page beschrieben 1998 in ihrem Aufsatz „The Anatomy of a Large-Scale Hypertextual Web Search Engine“, dass ihre Suchmaschine den Text eines Links der Seite zuordnet, auf die er zeigt. Der Grund: Linktexte beschreiben eine Seite oft treffender als die Seite sich selbst. So lassen sich auch Dokumente einordnen, die wenig Text enthalten, etwa Bilder oder PDFs.
Heute wertet Google deutlich mehr Signale aus als damals. Am Grundgedanken hat sich aber wenig geändert. Der Linktext fasst zusammen, worum es auf der Zielseite geht, und viele übereinstimmende Beschreibungen aus unterschiedlichen Quellen ergeben ein klares Bild.

Ankertext-Arten im Überblick
In der SEO-Praxis haben sich mehrere Kategorien von Linktexten etabliert. Sie stammen nicht von Google, helfen dir aber, dein Linkprofil zu analysieren und bewusst zu formulieren. Als Beispiel dient eine fiktive Bäckerei namens „Backstube Lindner“ mit einer Seite über Sauerteigbrot.
Marken-Anker (Brand)
Der Link trägt den Markennamen: „Backstube Lindner“. Diese Form ist bei Links von fremden Websites besonders häufig, weil Autoren Unternehmen meist beim Namen nennen. Ein hoher Anteil an Markenankern gilt als Zeichen für ein natürliches Linkprofil.
Exakter Keyword-Anker (Exact Match)
Der Linktext entspricht genau dem Keyword, für das die Zielseite ranken soll: „Sauerteigbrot“. Exakte Keyword-Anker sind sehr aussagekräftig. Treten sie bei externen Links gehäuft auf, wirken sie aber gesteuert.
Teilweise passender Anker (Partial Match)
Das Keyword steht in einer längeren Formulierung: „Sauerteigbrot selbst backen mit Anstellgut“. Solche Formulierungen klingen natürlich und beschreiben das Ziel trotzdem präzise.
Generischer Linktext
Formulierungen wie „hier klicken“, „mehr erfahren“ oder „dieser Artikel“ sagen nichts über das Ziel aus. Google rät ausdrücklich von solchen Linktexten ab. Ganz vermeiden lassen sie sich bei externen Links trotzdem nicht, und in kleiner Zahl sind sie unproblematisch.
URL als Linktext (Naked Link)
Der Link zeigt die Adresse selbst: „backstube-lindner.de“ oder die komplette URL. Das passiert oft in Quellenangaben, Foren oder Verzeichnissen. Für Leser ist das wenig elegant, für ein natürliches Linkprofil aber typisch.
Verlinkte Bilder und das Alt-Attribut
Ist ein Bild verlinkt, nutzt Google laut Search Central das Alt-Attribut des Bildes als Ankertext. Ein Logo mit alt=“Backstube Lindner Logo“ liefert also einen Markenanker. Ein verlinktes Bild ohne Alt-Text liefert dagegen gar keinen.
Weitere Mischformen
- Brand plus Keyword: „Sauerteigbrot von Backstube Lindner“
- Satz als Anker: „wie lange Sauerteigbrot frisch bleibt“
- Themenverwandte Begriffe: „Brot mit natürlicher Teigführung“
Was Google zum Ankertext empfiehlt
Google hat seine Empfehlungen in der Search-Central-Dokumentation recht konkret beschrieben. Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Crawlbare Links: Der Ankertext steht in einem echten
<a href>-Element. Links, die nur per JavaScript-Ereignis funktionieren, kann Google nicht zuverlässig verarbeiten. - Beschreibend und prägnant: Der Text soll das Ziel benennen und so kurz wie möglich bleiben.
- Verständlich ohne Kontext: Google schlägt als Test vor, ob der Linktext auch für sich allein Sinn ergibt.
- Nicht zu allgemein: „Klicke hier“, „Website“ oder „Artikel“ gelten als schwache Linktexte.
- Kein Keyword-Stuffing: Wer möglichst viele Keywords in einen Linktext packt, verstößt laut Google gegen die Spamrichtlinien.
- Sinnvoller Kontext: Die Wörter rund um den Link helfen beim Verständnis. Mehrere Links direkt hintereinander ohne Text dazwischen erschweren das.
- Leere Links vermeiden: Ist das Link-Element leer, greift Google ersatzweise auf das title-Attribut zurück. Besser ist ein echter Linktext.
Wenn deine Seite Links per JavaScript einfügt, prüfe mit dem URL-Prüftool der Search Console, ob der Linktext im gerenderten HTML tatsächlich vorhanden ist.

Interne vs. externe Ankertexte im Vergleich
Bei internen und externen Links gelten dieselben Grundsätze. Der Spielraum und das Risiko unterscheiden sich aber deutlich.
Interne Links: dein Gestaltungsraum
Bei internen Links entscheidest du selbst über jeden Linktext. Hier darfst du beschreibend und auch keywordnah formulieren, solange der Text natürlich in den Satz passt. Ein Link mit dem Text „Sauerteigbrot-Rezept“ auf die Rezeptseite ist hilfreich und unproblematisch.
- Verlinke wichtige Seiten aus thematisch passenden Artikeln heraus.
- Variiere die Formulierung leicht, statt jeden Link identisch zu gestalten.
- Verwende nicht denselben Ankertext für zwei verschiedene Zielseiten. Das verwirrt Leser und Suchmaschinen.
- Ersetze Navigationstexte wie „Mehr“ durch konkrete Begriffe, wo das gestalterisch möglich ist.
Externe Links: was andere über dich schreiben
Bei Backlinks entscheidet die verlinkende Website über den Text. Genau deshalb achtet Google hier besonders auf Muster. Die Spamrichtlinien nennen unter Linkspam ausdrücklich Links mit optimiertem Ankertext in Gastartikeln, Pressemitteilungen und Werbetexten sowie keywordüberladene Links in Widgets und Footern.
Für deinen Linkaufbau heißt das: Gib Partnern höchstens einen Vorschlag, keine Vorgabe mit exaktem Keyword. Natürliche Links tragen meist den Markennamen, eine beschreibende Formulierung oder die URL. Wie nachhaltiger Linkaufbau funktioniert, liest du im Grundlagenartikel Linkaufbau: Grundlagen und der richtige Einstieg.
Wenn du selbst auf andere Websites verlinkst, gilt dieselbe Logik. Nenne die Quelle oder das Thema beschreibend. Bezahlte Links kennzeichnest du mit rel=“sponsored“, Links aus Kommentaren mit rel=“ugc“.
Überoptimierung: wann der Ankertext zum Risiko wird
Lange Zeit galt ein exakter Keyword-Anker als stärkster Hebel im Linkaufbau. Manche Websites sammelten massenhaft Links mit genau demselben Keyword. Google ging 2012 mit dem Penguin-Update gezielt gegen Webspam und manipulative Linkmuster vor. Seit 2016 ist Penguin Teil des Kernalgorithmus und arbeitet laut Google in Echtzeit (Google Webmaster Central Blog, 2012 und 2016).
Typische Muster einer Überoptimierung
- Ein großer Teil der externen Links trägt exakt dasselbe kommerzielle Keyword.
- Ankertexte passen nicht zum Umfeld, etwa „günstige Kredite“ in einem Rezeptblog.
- Sitewide-Links in Footern oder Sidebars mit Keyword-Ankern.
- Kaum Links mit dem Markennamen, obwohl die Marke bekannt ist.
- Viele neue Links mit identischem Text in kurzer Zeit.
Gibt es eine ideale Ankertext-Verteilung?
Nein. Google hat nie Prozentwerte für Brand-, Exact- oder Partial-Match-Anker veröffentlicht. Verteilungen, die in Tools oder Blogs kursieren, sind Faustregeln ohne offizielle Grundlage. Ein besserer Maßstab ist der Vergleich: Wie sehen die Linkprofile von Websites aus, die in deiner Branche seit Jahren gut ranken, ohne auffällig zu sein?
Solltest du ein stark überoptimiertes Profil geerbt haben, etwa nach einem Agenturwechsel, prüfe die Links einzeln. Hintergründe zu gekauften Links und ihrer Bereinigung findest du im Ratgeber Backlinks kaufen: Risiken, Regeln und Alternativen.
Ankertext und Barrierefreiheit
Gute Linktexte sind nicht nur ein SEO-Thema. Die internationalen Richtlinien für barrierefreie Webinhalte WCAG 2.2 des W3C verlangen im Erfolgskriterium 2.4.4 (Stufe A), dass sich der Zweck eines Links aus dem Linktext allein oder aus dem Linktext zusammen mit seinem unmittelbaren Kontext ergibt. Strenger ist Kriterium 2.4.9 (Stufe AAA), nach dem der Linktext allein genügen soll.
Der Hintergrund ist praktisch. Screenreader können alle Links einer Seite als Liste vorlesen. Steht dort fünfmal „mehr erfahren“, weiß niemand, wohin welcher Link führt. Für Unternehmen, die unter das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz fallen, etwa viele Onlineshops, ist Barrierefreiheit seit Juni 2025 zudem eine rechtliche Anforderung. Beschreibende Ankertexte helfen also gleich doppelt.
Sonderfälle: Navigation, Buttons und Breadcrumbs
Nicht jeder Link steht im Fließtext. Auch Menüs, Schaltflächen und Brotkrumen-Navigationen enthalten Linktexte, die Google auswertet.
- Hauptnavigation: Kurze, klare Begriffe wie „Rezepte“, „Kurse“ oder „Kontakt“ funktionieren gut. Vermeide Keyword-Ketten im Menü, sie wirken auf jeder Seite der Website.
- Buttons: „Jetzt kaufen“ ist für einen Warenkorb-Button in Ordnung. Für Links auf Inhalte eignet sich ein konkreter Text wie „Kursprogramm ansehen“ besser.
- Breadcrumbs: Die Brotkrumen-Navigation nutzt die Namen der übergeordneten Kategorien. Sind diese gut benannt, entstehen automatisch sinnvolle interne Anker.
- Teaser und Karten: Ist die ganze Karte klickbar, sollte die Überschrift den Link tragen. Ein zusätzlicher „Weiterlesen“-Link ohne eigene Information ist überflüssig.
- Footer-Links: Wenige, klar benannte Links auf Impressum, Datenschutz und Kernbereiche genügen. Keywordüberladene Links in Footern und Templates nennt Google in seinen Spamrichtlinien ausdrücklich als Beispiel für Linkspam.
Beispiele: gute und schwache Ankertexte
Die folgenden Paare zeigen, wie kleine Änderungen am Linktext den Informationsgehalt eines Links erhöhen:
- Schwach: „Mehr Infos findest du hier.“
Besser: „Mehr dazu in unserer Anleitung zum Sauerteig ansetzen.“ - Schwach: „Klicke auf diesen Link für die Studie.“
Besser: „Die ARD/ZDF-Onlinestudie zeigt …“ - Überoptimiert: „Sauerteigbrot kaufen Berlin günstig online bestellen“
Besser: „Sauerteigbrot aus unserer Berliner Backstube“ - Unklar: „Website“
Besser: „die offizielle Dokumentation von Google“ - Bild ohne Alt-Text: alt=““
Besser: alt=“Sauerteigbrot im Ofen backen“

Ankertexte prüfen und verbessern
Für interne Links genügt oft ein Crawl deiner Website mit einem SEO-Crawler. Achte auf leere Links, generische Texte und verlinkte Bilder ohne Alt-Attribut. Für externe Verweise zeigt der Bericht „Links“ in der Google Search Console die häufigsten Linktexte deiner Backlinks.
- Interne Links auflisten: Welche Seiten verlinken mit welchem Text auf deine wichtigsten Unterseiten?
- Generische Texte ersetzen: „Hier“ und „mehr“ durch beschreibende Formulierungen austauschen.
- Bild-Links ergänzen: Fehlende Alt-Texte bei verlinkten Grafiken nachtragen.
- Externe Muster prüfen: Fallen viele identische Keyword-Anker auf, frag nach ihrer Herkunft.
- Kontext stärken: Links nicht in Listen ohne Text bündeln, sondern im Fließtext einbetten.
Mehr zu Methoden, mit denen du hochwertige Links gewinnst, findest du in unserem Leitfaden Linkbuilding: Strategie und Methoden.
Fazit
Der Ankertext beschreibt, was hinter einem Link steckt. Gute Linktexte sind konkret, kurz und fügen sich in den Satz ein. Bei internen Links hast du die volle Kontrolle und kannst beschreibend formulieren. Bei externen Links zählt Natürlichkeit: Markennamen, beschreibende Phrasen und gelegentlich die URL.
Google gibt keine Quoten vor, warnt aber deutlich vor Keyword-Stuffing und optimierten Ankertexten in bezahlten oder gesteuerten Links. Wer für Leser formuliert, liegt bei Google meist richtig.
Häufige Fragen zum Ankertext
Was ist ein Ankertext?
Der Ankertext, englisch Anchor Text, ist der sichtbare, klickbare Text eines Links. Er beschreibt Lesern und Suchmaschinen, was sie auf der verlinkten Seite erwartet.
Welche Arten von Ankertexten gibt es?
Gebräuchlich sind Marken-Anker, exakte und teilweise passende Keyword-Anker, generische Linktexte wie „hier klicken“, die URL als Linktext und verlinkte Bilder, bei denen Google das Alt-Attribut als Ankertext nutzt.
Wie sieht ein guter Ankertext aus?
Ein guter Ankertext ist beschreibend, kurz und auch ohne umgebenden Satz verständlich. Er passt zur verlinkten Seite, fügt sich natürlich in den Text ein und ist nicht mit Keywords überladen.
Darf ich Keywords im Ankertext verwenden?
Bei internen Links ja, solange der Text natürlich bleibt. Bei externen Links wirken viele identische Keyword-Anker gesteuert, und optimierte Ankertexte in bezahlten oder gesteuerten Links stuft Google als Linkspam ein.
Welcher Ankertext-Anteil ist ideal?
Eine ideale Verteilung gibt es nicht, Google hat keine Prozentwerte veröffentlicht. Ein natürliches Linkprofil enthält vor allem Markennamen, beschreibende Formulierungen und URLs und nur wenige exakte Keyword-Anker.
